Sri Ramana Maharshi schrieb wenig, und das auch nur, wenn andere ihn darum baten. So entstanden diese 40 Verse etwa 1928 auf Drängen von Muruganar hin. Ramana verfasste sie in seiner Muttersprache Tamil und nannte sie Ulladu Narpadu. Ulladu bedeutet, das was ist, was existiert, was wirklich ist und Narpadu bedeutet vierzig. Deshalb kann man übersetzen: Vierzig Verse über die Wirklichkeit oder über das, was ist.
Ramana selbst erzählt folgendes über ihre Entstehungsgeschichte:
»Ich hatte bei verschiedenen Gelegenheiten einzelne Verse gedichtet. Muruganar meinte, man müsse verhindern, dass sie verloren gingen und ich möge noch einige Verse ergänzen, damit es insgesamt 40 Verse werden würden, die man dann unter einem geeigneten Titel veröffentlichen könnte. Ich dichtete, wann immer ich dazu in Stimmung war. Als wir die 40 beisammen hatten, löschte Muruganar einen Vers nach dem anderen aus der ersten Sammlung unter dem Vorwand, sie würden nicht recht zum Thema passen, und bat mich, dafür neue Verse zu schreiben. Als schließlich die 40 wieder voll waren, bemerkte ich, dass sie nur noch zwei Verse aus der ersten Sammlung enthielten und dass ich alles andere neu gedichtet hatte. Ich hatte die Verse nicht geplant und sie nicht fortlaufend und systematisch geschrieben. Ich hatte lediglich bei verschiedenen Anlässen einige Verse gedichtet und Muruganar und andere hatten sie nachträglich in eine thematische Reihenfolge gebracht.«[1]
Es waren etwa 20 Verse, die Muruganar aus der alten Sammlung herausgenommen hatte. Diese wurden als Ergänzung zu den 40 Versen (Ulladu Anubandham) zusammengefügt und später ebenfalls auf 40 Verse erweitert. Sie sind zum Großteil keine eigenen Dichtungen Ramanas, sondern seine Übersetzungen von berühmten Sanskritversen aus dem Yoga Vasishta, von Shankara und aus anderen Werken, die er hilfreich fand.
Die Verse sind lose aneinandergehängt. Zuweilen ergeben einige Verse einen Zusammenhang, dann wieder wechselt unvermittelt das Thema. Der Grund dafür liegt in ihrer Entstehungsgeschichte. Dennoch ergeben sie ein rundes Ganzes der Lehre Ramanas und eignen sich hervorragend dafür, sie immer wieder zu überdenken. ›Wer bin ich?‹ und ›Die Quintessenz der spirituellen Unterweisung‹ (Upadesa Saram) sind weitere Werke Ramanas, die mit diesem Büchlein eng verwoben sind.
Ulladu Narpadu ist ein poetisches Werk im Venba-Mentrum, das Ramana gerne verwendete. Jeder Vers hat 4 Zeilen, wobei die ersten drei Zeilen aus vier und die letzte Zeile aus drei Füßen bestehen. Es ist ein rhythmischer Text, der im Ramanashram regelmäßig rezitiert bzw. gesungen wird.
Als Grundlage meiner Übersetzung habe ich Robert Butlers sehr ausführliche Ausarbeitung aus dem Tamil verwendet, die sowohl Struktur der Sätze als auch Wortbedeutung ausführlich erklärt. Ich habe aber auch andere englische Übersetzungen hinzugezogen wie Lakshmana Sarmas ›Revelation‹, die Übersetzung von Prof. Swaminathan in den ›Collected Works‹ und einige weitere. Als Kommentar dienen Gespräche, die Ramana mit seinen Anhängern und Besuchern führte und in denen er seine Lehre immer wieder erläutert.
Es gibt zwei ältere Übersetzungen ins Deutsche. Die eine stammt von dem Indologen Heinrich Zimmer und ist in seinem Buch ›Der Weg zum Selbst‹ zu finden. Die andere stammt von Lucy Cornelssen (Mata Satyamayi): ›Über das Selbst: Vierzig Verse‹. Es liegt allerdings bislang noch keine deutsche Übertragung der 40 Ergänzungsverse vor.
Nanyar, der Upadesa Saram übersetzt und kommentiert hat, malt abstrakte Bilder. Ich habe mir aus seinem Fundus diese inspirierenden Bilder zusammengesucht, die sich hervorragend in die Vierzig Verse einfügen. Ich danke ihm, dass er mir dafür seine Einwilligung gegeben hat.
Einleitungsverse:
Kann es ein Existenzempfinden geben ohne etwas, das ist? Da diese Wirklichkeit frei von allen Gedanken im Herzen wohnt, wer könnte über sie, die ›das Herz‹ heißt, nachdenken und auf welche Weise? Über sie nachzudenken bedeutet, mit ihr im Herzen eins zu sein.
Reife Menschen, die in großer Todesfurcht leben, nehmen Zuflucht zu Füßen des Höchsten Herrn, der weder Geburt noch Tod kennt. Durch ihre Hingabe werden ihr Ego und ihre Anhaftungen ausgelöscht. Wie können sie, die im Unsterblichen ihre Bleibe gefunden haben und daher tot sind, noch an den Tod denken?
7. Obwohl Welt und wahrnehmender Geist gemeinsam auftauchen und wieder verschwinden, tritt die Welt erst durch die Wahrnehmung in Erscheinung. Das Vollkommene erstrahlt, ohne dass es auftaucht und wieder verschwindet. Dieser Ort, in dem Welt und Geist auftauchen und verschwinden, ist das einzig Wirkliche.
12. Wahre Erkenntnis ist frei von Wissen und Nichtwissen. Das mittelbare Wissen von Objekten kann nicht die wahre Erkenntnis sein. Das Selbst erstrahlt immer aus sich selbst, ohne dass es etwas gäbe, das Es erkennen und von dem Es erkannt werden könnte [i. e. ohne die Beziehung von Subjekt und Objekt]. Dennoch ist es die wahre Erkenntnis und keine Leere. Das solltest du wissen.
21. Was ist damit gemeint, wenn es in vielen gelehrten Werken heißt, dass das Ego-Ich das Selbst bzw. Gott sieht? Wie könnte man sein eigenes Selbst sehen, da man doch nur eines ist? Und wie könnte man Gott sehen? Beides ist nur möglich, indem man seine Beute wird.
24. Dieser grobstoffliche Körper sagt nicht »ich«. Sein und Bewusstsein (Sat-Chit, das Selbst) ist nichts, was entsteht und verschwindet. Aber zwischen beidem entsteht dieses Ich, das auf den Körper beschränkt ist. Das ist der Knoten zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten, Bindung, Jiva, subtiler Körper, Ego, Samsara (die weltlichen Bedingungen unserer Existenz) und der Geist.
28. Wie jemand tief hinabtaucht, um etwas zu finden, das ins Wasser gefallen ist, so muss man mit konzentriertem Geist tief in sich selbst hinabtauchen und Sprechen und Atmen kontrollieren, um den Ursprung zu entdecken, von wo das Ich sich erhebt. Das solltest du wissen.
30. Wenn der Geist sich nach innen wendet und erforscht: »Wer bin ich?« und das Herz erreicht, neigt das Ich schamvoll sein Haupt und das Eine erscheint spontan als »Ich-Ich«. Doch obwohl es auf diese Art erscheint, ist es nicht das Ego-Ich, sondern die vollkommene Wirklichkeit, das wahre Selbst.
32. Die heiligen Schriften verkünden: »Ich bin DAS.« Wenn man jedoch nur meditiert: »Ich bin DAS, ich bin nicht jenes«, anstatt dass man das Selbst durch die Ergründung erkennt und in jenem Zustand verweilt, zeugt das von geistiger Unreife, da man immer das Selbst ist.
34. Anstatt die Wahrheit zu kennen, die beständig im Herzen eines jeden wohnt, und dort zu verweilen, zu disputieren: »Es existiert, Es existiert nicht, Es hat eine Gestalt, Es ist gestaltlos, Es ist eines, Es ist zwei, Es ist nichts von beidem« ist Unwissenheit und Verblendung.
35. »Siddhi bedeutet, das wahrzunehmen, was man immer schon erlangt hat, und darin zu verweilen. Alle anderen Siddhis sind reine Traum-Siddhis. Sind sie noch wirklich, wenn man vom Schlaf erwacht? Können jene, die in ihrem wahren Zustand bleiben und von aller Verblendung frei sind, sich noch von ihnen irreführen lassen? Das solltest du bedenken.«
[1] die Hüllen aus Nahrung, Lebenskraft, niederer Geist (Sprachvermögen, Handeln, Wünsche, Absichten, Vorstellungen, Zweifel usf.), höherer Geist (Vernunft und Intuition) und die Hülle der Glückseligkeit (wie im Tiefschlaf oder Samadhi). Mit dem Körper ist nicht nur der materielle Leib gemeint, sondern auch alle geistigen Bereiche.
Das, was diese Welt unterhält und beseelt, woraus sie entsteht, wozu sie besteht, wodurch sie in Erscheinung tritt und was sie wirklich ist, ist das einzig Wirkliche. Bewahre dir diese Wahrheit als geheimen Schatz im Herzen.
(Yoga Vasishta)
(Shankara: Bhaja Govindam)
2. Nicht indem man Predigern zuhört, noch durch intellektuelles Bücherstudium und auch nicht durch verdienstvolle Taten oder durch irgendein anderes Mittel kann man den höchsten Zustand erreichen und den Geist ins Herz hinabtauchen, sondern nur durch die Suche nach dem Selbst, die durch den Umgang mit den Weisen angespornt wird.
(Yoga Vasishta[1])
3. Wenn man Umgang mit Weisen pflegt, wozu muss man dann noch die vielen Regeln der Selbstzucht einhalten? Sag mir, wozu ist der Fächer da, wenn der kühle Südwind bläst?
(Yoga Vasishta)
4. Der kühlende Mondschein überwindet die Hitze (des Tages). Der Kalpaka-Baum[2] erfüllt die Wünsche und der heilige Fluss Ganges befreit von Sünde. Doch durch den Anblick des Weisen ergreifen alle drei Übel (Hitze, Wünsche und Sünde) die Flucht. Es gibt nichts, was sich damit vergleichen ließe.
(Subhashita Ratna Bhandagara)
5. Die heiligen Flüsse bestehen nur aus Wasser und Götterfiguren aus Stein und Lehm sind bei Weitem nicht so machtvoll wie die Weisen. Es dauert lange, bis ein Mensch, der sie verehrt, dadurch einen reinen Geist erlangt, während er beim Anblick eines Weisen sofort rein wird.
(Srimad Bhagavatam)
Meister: »Jener, der den Geist erkennt.«
Schüler: »Aber das bin ja ich.«
Meister: »Deshalb bist du selber Gott (und kein Individuum). Auch die heiligen Schriften erklären, dass Gott in allen Kreaturen das eine Selbst ist.«
(ein Sanskritvers)
7. Meister: »Welches Licht ermöglicht es dir, dass du Objekte wahrnehmen kannst?«
Schüler: »Tagsüber ist es die Sonne und nachts eine Lampe.«
Meister: »Und womit nimmst du die Sonne und die Lampe wahr?«
Schüler: »Mit den Augen.«
Meister: »Und welches Licht erhellt die Augen?«
Schüler: »Es ist der Verstand.«
Meister: »Und welches Licht erhellt den Verstand?«
Schüler: »Das bin ich.«
Meister: »Dann bist du selbst das Licht allen Lichtes.«
Schüler: »Ja, Das bin ich.«
(Shankara: Eka Sloki)
(Ramana)
(Devikalottaram, V. 46)
10. Der Körper ist empfindungslos wie alles, was aus Erde gemacht ist, und hat kein Ich-Bewusstsein. Zudem erfahren wir unsere wahre Natur im Tiefschlaf, in dem kein Körperbewusstsein da ist. Aus diesen beiden Gründen kann der Körper nicht ›ich‹ sein. Wer aber ist dieses Ich? Von woher kommt es? In der Höhle des Herzens derer, die dies ergründen, erstrahlt der Herr Arunachala, als reines Ich.
(Ramana)
11. Wer ist es, der wirklich geboren wurde? Nur jener, der fragt: »Woher komme ich?« wird wahrhaft in Brahman, seinem eigenen Ursprung geboren. Er ist ein für alle Mal geboren. Er ist der Herr aller Heiligen und immer neu.
(Ramana)
12. Wirf die Vorstellung von dir, dass du dieser empfindungslose und unvollkommene Körper bist und suche die immerwährende Seligkeit des Selbst. Wenn man das Selbst sucht, indem man diesen vergänglichen Körper hegt und pflegt, ist das, als würde man versuchen, einen Fluss zu überqueren, indem man sich an einem Krokodil festklammert, das man für ein Floß hält.
(Der erste Teil stammt von Ramana, der zweite Teil aus dem Vivekachudamani.)
13. Wenn man Wohltätigkeit übt, Buße tut, Opfer darbringt, seine Pflichten erfüllt, Yoga und Bhakti übt mit dem Ziel, den Himmel, die Wirklichkeit, Friede, Wahrheit, Gnade, Stille, Stabilität, den todlosen Tod, Erkenntnis, Entsagung, Befreiung und Seligkeit zu erlangen, bedeutet das nichts anderes als dass man damit aufhört, den Körper für das Selbst zu halten.
(Ramana)
(Ramana)
15. Manche Dummköpfe verstehen nicht, dass sie von einer Kraft (Shakti) bewegt werden, die nicht ihre eigene ist und wollen Wunderkräfte erlangen. Ihre Possen sind wie die Prahlerei eines Krüppels, der zu seinen Freunden sagt: »Wenn ihr mich nur auf meine Beine stellt, dann werdet ihr schon sehen, wie ich den Feind besiege.«
(Ramana)
16. Da der Geistesfriede die wahre Befreiung ist und man ohne die Aktivität des Geistes keine Wunderkräfte erlangen kann, wie können dann jene, die auf solche Kräfte erpicht sind, die Seligkeit der Befreiung erlangen, die das Ende aller Betriebsamkeit des Geistes bedeutet?
(Ramana)
17. Obwohl Gott die Last der Welt trägt, tut das falsche Ich so, als würde es sie tragen, wie die Figur am Tempelturm, die den ganzen Turm auf ihrem Kopf zu tragen scheint. Wer ist daran schuld, wenn der Reisende sein Gepäck nicht im Wagen ablegt, der jede Last tragen kann, sondern es auf dem Kopf behält und darunter leidet? (Ramana)
(Ashtanga Hridayam)
19. Es ist geschlossen. In seinem Innern herrscht tiefste Finsternis. Es ist voller Wünsche und Neigungen (Vasanas). Alle großen Nervenbahnen hängen von ihm ab. Es ist die Wohnstatt der Lebensenergie, des Geistes und des Bewusstseins.
(Ashtanga Hridayam)
20. Der Herr, der im Innern der Herzenshöhle wohnt, ist der Herr der Herzenshöhle. Wenn sich durch die Meditation: »Ich bin Er, Ich bin der Herr der Herzenshöhle« die Gewissheit, dass du Er bist, festigt, wenn sie so beständig wird wie deine gegenwärtige Vorstellung, dass du der Körper bist, weicht diese Unwissenheit wie die Dunkelheit vor der aufgehenden Sonne.
(Ramana)
21. Als Rama fragte: »Sage mir, was ist das Herz, das allen Lebewesen innewohnt und in dem, wie in einem großen Spiegel, die ganze Welt als Reflexion außen wahrgenommen wird?«, antwortete Vasishta: »Wir müssen verstehen, dass alle Lebewesen zwei verschiedene Herzen haben.»
(Yoga Vasishta)
22. »Das eine sollte man annehmen, das andere zurückweisen. Höre, worin sie sich unterscheiden. Das Herzensorgan des physischen Körper muss man zurückweisen. Das Herz, das die Gestalt des reinen Bewusstseins ist, muss man annehmen. Es ist sowohl innen als auch außen und hat doch kein Innen und Außen.«
(Yoga Vasishta)
23. »Das ist das wirkliche Herz. In ihm ruht die ganze Welt. Es ist der Spiegel, in dem wir alle Dinge sehen. Es ist die Quelle allen Reichtums. Dieses Bewusstsein ist das Herz aller Lebewesen. Das Herz ist kein Teil des vergänglichen, unbewussten Körpers.«
(Yoga Vasishta)
24. »Wenn man das Ego durch die Selbstergründung beständig im Herzen hält, das reines Bewusstsein ist, werden die Neigungen des Geistes (Vasanas) bezwungen und der Atem wird kontrolliert.«
(Yoga Vasishta)
25. Indem man beständig im Herzen meditiert: »Dieses reine, an keine Bedingungen und Beschränkungen geknüpfte Bewusstsein ist Shiva und Das bin ich«, beseitigt das alle Anhaftungen des Egos.
(Devikalottaram)
(Yoga Vashishta)
27. Mit scheinbarer Begeisterung und Freude, mit Eifer und Missfallen, Initiative und Durchhaltevermögen, spiele deine Rolle in der Welt, doch ohne daran zu haften. Befreit von allen Banden der Anhaftung und mit einem gleichmütigen Geist handle in allen Situationen, wie es angemessen ist. Spiele deine Rolle in der Welt wie es dir beliebt.
(Yoga Vashishta)
28. Wer durch die Erkenntnis des Selbst in der Wahrheit gefestigt ist und die fünf Sinne überwunden hat ist das Feuer der Weisheit, der Herr des Gewitters der Selbst-Erkenntnis, der Überwinder der Zeit und der Held, der den Tod besiegt hat.
(Yoga Vasihstha)
29. Wenn der Frühling kommt, werden die Bäume immer grüner und schöner. Ebenso ist es mit jemandem, der die Wahrheit erkannt hat. Er gewinnt an Ausstrahlung, Intelligenz und Kraft.
(Yoga Vasihstha)
30. Jemand, dem man eine Geschichte erzählt, während er mit den Gedanken woanders ist, hört nicht wirklich zu. Ebenso ist der Geist des Weisen, der frei von Anhaftung ist, inaktiv, während er handelt. Derjenige jedoch, dessen Geist voller Anhaftung ist, ist aktiv, auch wenn er nichts tut. Er ist wie der Schläfer, der unbeweglich im Bett liegt und träumt, dass er einen Berg erklimmt und in den Abgrund stürzt.
(Yoga Vasihstha)
(Ramana)
(Ramana)
(Ramana)
(Subhashita Ratna Bhandagara)
35. Was nützt den Gelehrten die Kenntnis der Schriften, wenn sie nicht versuchen, die Schrift des Schicksals durch die Ergründung: »Woher komme ich?« auszulöschen? Oh Herr Arunachala, was sind sie anderes als Grammophone?
(Ramana)
36. Die Ungebildeten werden eher gerettet als die Gelehrten, die ihr Ego nicht unterworfen haben. Sie bleiben von den Klauen des Dämons Stolz, von den krankhaft umherwirbelnden Gedanken und Worten und vom Streben nach Ehre bewahrt. Sie bleiben nicht nur von einer, sondern von vielen Krankheiten bewahrt.
(Ramana)
(Sadhaka Avasta)
38. Wenn man immer im Selbst verweilt, ohne davon abzuweichen und zwischen sich selbst und anderen keinen Unterschied macht, was gibt es dann außer das Selbst? Was macht es aus, was die Leute über einen sagen, ob sie uns preisen oder tadeln? Es ist als ob man sich selbst preisen oder tadeln würde.
(Ramana)
39. Bewahre dir Advaita im Herzen, aber wende es nicht im täglichen Leben an. Selbst wenn du es auf alles anwendest, mein Sohn, solltest du es nicht auf den Guru anwenden.
(Tattvopadesa von Shankara)
(ein Sanskritvers)
1. Ramana verwendet viele Verse aus dem Yoga Vasishta, ein bedeutendes Werk des Vedanta, das den Dialog des Weisen Vasishta mit dem Prinzen Rama zum Inhalt hat.
2. Der Kalpaka-Baum aus der indischen Mythologie ist ein Wunderbaum, der alle Wünsche, um die man bittet, erfüllt.
Advaita
Nicht-Zweiheit
Aham
ich
Aham Sphurana
das Pulsieren des »Ich-Ich«
Ajnana / Ajnani
Unwissenheit / einer der in der Illusion gefangen ist
Atman
das Selbst eines Wesens
Avidya
Unwissenheit
Bhakti / Bhakta
Hingabe an Gott / ein Gott Hingegebener
Brahman
das universelle Selbst, das Absolute
Dvaita
Zweiheit
Jiva
Individuum, Ego
Jivan Mukti
ein Befreiter, der noch im Körper weilt
Jnana
Erkenntnis, Wissen
Jnani
jemand, der das Selbst erkannt hat
Karma
Handeln, Folge des Handelns
Prarabdha
die jetzigen Lebensumstände, die sich aus dem Handeln in früheren Geburten ergeben
Samadhi
Versenkung im Selbst, höchster Zustand der Meditation
Sat-Chit-Ananda
eine Umschreibung von Brahman / Atman als reines Sein (Sat), erkennendes Bewusstsein (Chit) und Seligkeit (Ananda)
Sastras
heilige Hindu-Schriften
Satsang
wörtl.: Umgang mit dem Sein, Umgang mit einem verwirklichten Menschen
Savikalpa Samadhi
Zustand eines vorübergehenden Samadhis
Siddhi
Erlangung (von übernatürlichen Fähigkeiten)
Shakti
Kraft
Sphurana
s. Aham Sphurana
Turiya
der vierte Zustand, der jenseits der drei Zustände von Wachen, Träumen und Tiefschlaf ist und ihnen zugrunde liegt
Vasanas
Tendenzen, Neigungen
Vedanta
Ende und zugleich Erfüllung der Veden, s. a. Advaita